Wohnungsflohmarkt

Ein Umzug ist immer eine gute Gelegenheit, um auszumisten. Zeug, von dem man sich bislang irgendwie nicht trennen konnte, das aber faktisch nur vom alten in den neuen Keller wandern würde, ist nur unnötiger Ballast im Umzugswagen.

 

Vieles kann man oftmals „einfach schmeißen“, wie wir bei uns in der Familie sagen. Manch anderes Teil erfreut aber womöglich einen neuen Besitzer. Also habe ich in den Tagen und Wochen vor meinem Umzug das eine oder andere aus meinem Haushalt auf den einschlägigen Plattformen eingestellt. Das geht meistens unkompliziert und fix. Wie gesagt, meistens. 

Auftritt R. R. hat sich schon vor einiger Zeit mal für eine meiner Anzeigen interessiert. Damals ging es um Einmachgläser, die ich zum Verschenken angeboten hatte, und die er abholen wollte. Leider konnte er nur zu Zeiten, zu denen ich normalerweise schlafe. Nach gefühlt 20 Mal hin und her schreiben, ist der Deal geplatzt und das Altglas letztlich in den entsprechenden Container gewandert.

Nun zeigt er Interesse an Besteck und Geschirr – ebenfalls von mir zu verschenken. Diesmal kann R. sogar zu einer normalen Uhrzeit. Ich stelle Tassen, Gläser, Teller und Besteck in einer Ecke bereit, kurz darauf steht R. vor der Tür. Die Hände in die Hüften gestemmt, um seinen Bauch eine Bauchtasche. Ich sehe R. etwas irritiert an.

„Haben Sie keinen Korb oder etwas Ähnliches dabei?“

„Ich dachte, Sie haben das schon verpackt.“

Ähm – es handelt sich um gebrauchtes Geschirr, das vorher in meinem Wohnzimmerschrank stand. Vielleicht bin ich komisch, aber normalerweise habe ich mein Geschirr nicht in Pappkisten im Schrank stehen.

„Nein“, sage ich.

„Haben Sie denn keine Kiste?“, fragt R.

Bin ich ein Versandhandel?

„Nein“, sage ich wieder.

R. sieht sich suchend im Flur um. Da steht noch eine blaue Tüte vom Möbelhaus, in der ich einmal 10 Kilo Kirschen transportiert habe. Gewicht hält die also aus.

„Meinetwegen, die können Sie haben“, sage ich und greife mir die Tüte.

R. hat Glück, ich habe noch ein bisschen Einschlagpapier für die Tassen und Gläser übrig. R. kann sein Glück offenbar nicht fassen, jedenfalls steht er eine Weile da und schaut mir zu, wie ich das Geschirr einschlage. Bis ich ihn darauf hinweise, dass er gerne eintreten und mir helfen dürfe.

„Haben Sie demnächst noch mehr zu verkaufen oder zu verschenken?“, fragt R.

Ich bejahe.

Prompt schaut R. sich in der Wohnung um und zeigt auf jedes zweite Teil. „Das da?“

„Ja.“

„Das da?“

„Nein?“

„Und was ist mit dem Stuhl?“

„Danke, den brauche ich noch.“

Hat irgendjemand an mein Klingelschild „Räumungsverkauf“ geschrieben?

Endlich ist alles verpackt. R. schultert die Tüte. Die eingepackten Tassen und Gläser rutschen um die Teller herum. Das Besteck klappert.

„Danke“ sagt R. und begibt sich die vier Stockwerke nach unten.

Ich halte die Luft an und rechne jeden Moment damit, dass es im Treppenhaus scheppert. Zum Glück fällt die Haustür vorher ins Schloss. Dafür erscheint auf meinem Handy eine neue Anfrage zu meiner Anzeige, in der ich mein Bett an Selbstabholer verkaufe.

 

In der Nachricht steht: „Können Sie auch liefern?“

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