Warum ich mir mein Manuskript vorlesen lasse

Bei der Überarbeitung eines Manuskripts lese ich die vielen Kapitel und Seiten immer und immer wieder. Ich kann schon gar nicht mehr zählen, wie oft ich manche Absätze schon gelesen habe. 

Dabei werde ich über kurz oder lang betriebsblind und übersehe manche Fehler im Satzbau, falsche Endungen oder Namen. Schließlich habe ich den Text schon tausendmal gesehen und weiß, was kommt. 

Deshalb bin ich total happy über die Vorlesefunktion in der Textverarbeitung. 

 

Computer, lies mir vor!

 

Mit der Vorlesefunktion kann ich mir meinen Text von einer künstlichen männlichen oder weiblichen Stimme vorlesen lassen. Dank der modernen Technik klingen diese Stimmen sogar einigermaßen ansprechend und natürlich und nicht wie alte Science-Fiction. 

Das gibt mir die Möglichkeit, mein Manuskript wie ein Hörbuch zu hören. (Und mal ehrlich, welche*r Autor*in träumt nicht davon, das eigene Buch vorgelesen zu bekommen?) 

Natürlich ist die künstliche Stimme keine professionelle Hörbuchsprecherin. Manch ein Satz klingt etwas holprig, bei Fragen geht die Stimme nicht kontinuierlich hoch, sondern oft erst in der letzten Silbe, was mitunter ziemlich lustig klingt. Aber es klingt trotz allem authentisch genug, um das Gefühl des Vorlesens zu bekommen. 

 

Gute Gründe für das Vorlesen

 

Die Vorlesefunktion bietet mir als Autorin ein paar hübsche Vorteile, die mir beim Überarbeiten meiner Manuskripte helfen. 

 

1. Ich bekomme optisch Abstand zum Text und kann mich mit anderen Sinnen darauf konzentrieren. Dadurch, dass ich nicht lese und mein Auge automatisch Buchstabendreher korrigiert, habe ich eine andere Wahrnehmung. Die Vorlesefunktion liest halt nur das, was da steht. Und wenn ich versehentlich xrksling geschrieben habe, liest sie das vor. Ich kann dann direkt einhaken und die entsprechende Stelle korrigieren.

 

2. Ich kann nebenher spülen oder staubwischen - so leidet die Hausarbeit nicht unter dem Schreiben oder das Schreiben unter der Hausarbeit. (Leider gibt es noch 1000 andere Möglichkeiten für Prokrastination ...)

 

3. Vielleicht ist es Einbildung, aber ich meine, dass sich der Text durch die Vorlesestimme verändert. Wie meine ich das? 

Nun, wenn ich selbst lese, habe ich meine Stimme im Kopf. Beim Hören naturgemäß die der Vorlesefunktion. Dadurch erscheint mir der Text nicht mehr so sehr wie mein eigener und ich kann kritischer damit umgehen. Mir fällt zum Beispiel eher auf, ob Szenen sich ziehen, ob ersichtlich ist, wer spricht oder ob ein Dialog ausreichend Tempo hat. 

 

4. Von all diesen praktischen Vorteilen abgesehen, macht es auch einfach Spaß, sich das Manuskript vorlesen zu lassen. Manchmal entdecke ich dadurch Szenen wieder, von denen ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie geschrieben habe. :)  

 

Kleine Anekdote zum Schluss; meine Vorlesefunktion hat manchmal auch Stimmprobleme, dann klingt sie für ein paar Sätze etwas röchelnd. (Wenn ich die männliche Stimme ausgewählt habe, klingt es ein bisschen wie Darth Vader ...) Zum Glück fängt sie sich meistens wieder, ich hätte nämlich keine Ahnung, wie ich der Stimme Erkältungstee einflößen sollte, ohne gleichzeitig meinen PC zu schrotten ...

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