„31 Days, Girl in the Crowd, und nicht zuletzt Trust … Hast du die Formel für Hits gefunden?“
„Mit Formeln hab ich es nicht so.“ Lachen. „Aber ich freue mich natürlich, dass meine Songs den Leuten gefallen.“
„Wow, das ist ja mal bescheiden, Freddy.“ Die Moderatorin schiebt anerkennend die Unterlippe vor. Dann klopft sie Freddy aufs Knie. „Du darfst stolz auf dich sein.“
Freddy lächelt verlegen. Im gleichen Moment schaltet Joshie sich ein. „Das sagen wir ihm seit Jahren, aber no chance. Du wirst von ihm nicht hören, wie toll er ist.“
Die Schafe blöken empört, als ich die Stalltür öffne und der Wind etwas vom Sprühregen hineinweht.
„Kommt schon, raus mit euch“, versuche ich es mit enthusiastischem Tonfall.
Määäähhh. Es klingt eindeutig nach Willst du uns verarschen? Es regnet!
Tja, sorry, kann ich nicht ändern. Ich fülle einen Plastiktrog mit etwas Kraftfutter und raschle dabei extra laut. Der einfachste Trick der Welt, aber er funktioniert. Plötzlich haben die Schafe es sehr eilig, hinter mir her auf die Weide zu hoppeln.
„Wenn du weiter hüpfst, binde ich dich fest.“ Ich werfe abwechselnd Blicke zu Cora und den anderen Fahrgästen. Selbst das Kleinkind im Buggy neben uns ist ruhiger als meine Freundin.
„Ich mach mich nur schonmal warm“, sagt Cora und wippt weiter, jetzt immerhin nur mit einem Bein statt mit dem ganzen Körper.
Mit sanfter Gewalt halte ich ihr Knie fest und drücke es nach unten. „Wir gehen aber schon zu einem Konzert, nicht zu einem Workout oder so?“
Der Kaffee bröselt beinahe in die Tasse und ich gebe einen ordentlichen Schuss Milch dazu. Früher habe ich Cola getrunken, um wach zu bleiben, oder auch mal eine Flasche Mate. Aber hier gibt es nur Kaffee. Marke Herztod. Mit Milch schmeckt es erträglich.
Ich habe gerade einen Schluck getrunken, da steht Markéta in der Küche.
„Matĕj? Oh, du bist es, Jo. Hast du Matĕj gesehen?“
Ich schüttle den Kopf. „Die letzten zwei Stunden nicht.“
Laurenz erwartet mich am Gleis und breitet die Arme aus, als ich aus dem Zug steige. Ich lasse mich in seine Umarmung fallen und drücke mein Gesicht in seine Halsbeuge, wo er so schön warm ist und so gut nach Limette riecht.
„Määhh.“
Gerade wollte ich seinen Kopf zwischen meine Hände nehmen, jetzt lasse ich sie sinken. Mein Herz zieht sich zusammen, als ob jemand es wie einen Schwamm ausdrücken würde.